| Being Public |
19.08.2010, 09:48 |
| Fuchs Petrolub - Geht runter wie Öl
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Von der Auto- über die Lebensmittelindustrie bis hin zur Energiewirtschaft – Fuchs „schmiert“ sie alle! Die Wirtschaftkrise konnte Fuchs Petrolub ohne größere Gewinneinbrüche überstehen. Und seit den Verlusten von 2009 befindet sich die Aktie wieder auf Gewinnkurs.
Vor zwei
Jahren hat das Familienunternehmen auch den Aufstieg in den MDAX geschafft.
Worin aber liegt das Erfolgsgeheimnis der Mannheimer?
In den 1930ern setzte der 21-jährige Rudolf Fuchs seine Idee um und startete in
Mannheim den Direktvertrieb von pennsylvaniaschen Raffinerieprodukten. Nur fünf
Jahre später stellten die Mannheimer ihre eigenen Schmierstoffe her. Das
schnelle Wachstum des Vertriebs wurde durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges
gestoppt, doch bereits 1946 wurde der Betrieb in Mannheim wieder aufgenommen.
Spezialisierung und
Internationalisierung des Konzerns
Nach dem frühen Tod des Gründers stieg sein Sohn Dr. Manfred Fuchs 1959 –
noch während seines Studiums – in das Unternehmen ein und übernahm drei Jahre
später die Geschäftsführung – der Beginn der Expansionsphase: In den 60er
Jahren wurden die europäischen Auslandsvertretungen ausgebaut. Da der Ölmarkt
allgemein hart umkämpft war, spezialisierten die Mannheimer ihr Angebot immer
mehr und expandierten zwischen 1970 und 1990 vermehrt ins Ausland – ein
gelungener Schachzug: Heute werden rund 40% der Gewinne außerhalb Europas
erwirtschaftet. 1985 folgte dann der Gang an die Börse – ein bedeutsamer
Schritt aus Sicht des heutigen CEOs Stefan Fuchs: „Wir genießen sowohl bei
internationalen als auch inländischen Anlegern einen hohen Bekanntheitsgrad und
Vertrauensbonus, was sich seit Notierung unserer Vorzugsaktien im MDAX vor zwei
Jahren noch verstärkt hat.“
Generationswechsel
Stefan Fuchs übernahm den Vorstandsvorsitz 2004. Nach 41 Jahren wechselte
sein Vater in den Aufsichtsrat. Die enge Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn
schadet dem Unternehmen keineswegs. Der Aufsichtsrat sei hervorragend besetzt
und im Sinne des Corporate Governance Kodex auch unabhängig, so Fuchs Junior
dem GoingPublic Magazin gegenüber. „Von daher geht von meinem Vater keine
andere ‚Wirkung’ auf den Vorstand aus als von jedem anderen
Aufsichtsratsmitglied auch. Zudem hat mein Vater den Übergang von ihm zu mir
höchst professionell und von Tag eins an vollzogen“, beschreibt Sohn Stefan die
berufliche Beziehung zu seinem Vater.
Der Kunde ist König
Mittlerweile hat das Familienunternehmen mehr als 10.000 verschiedene
Produkte im Portfolio, wovon der Großteil speziell nach den individuellen
Anforderungen der Kunden gefertigt wird. Diese zunehmende Individualisierung
macht den Bereich Forschung & Entwicklung äußerst wichtig: Jeder zehnte
Mitarbeiter ist als Wissenschaftler oder Ingenieur bei Fuchs beschäftigt.
Neben den speziellen Nischenprodukten ist es besonders die Unabhängigkeit, die
Fuchs Petrolub so erfolgreich macht: „Für uns steht das Prinzip der
Unabhängigkeit im Vordergrund. Sie ist Teil unserer Geschäftspolitik und bringt
uns eine hohe Markt- und Kundennähe, d.h. Schnelligkeit und Flexibilität“,
erklärt Stefan Fuchs. Daher solle sich auch künftig nichts daran ändern, dass
die Familie sowohl im Vorstand als auch im Aufsichtsrat vertreten ist. Einen
weiteren Vorteil in dieser Konstellation sieht Fuchs darin, dass „wir so unsere
Kräfte auf das Geschäft konzentrieren können und nicht das Problem einer
Übernahme und der damit verbundenen Abwehrmaßnahmen haben“.
Leicht angeschlagen aus der Krise
Vor sechs Jahren hat der heutige CEO ein sehr gut aufgestelltes Unternehmen
übernommen und beschäftigt heute rund 3.500 Mitarbeiter in über 120 Ländern.
Zudem liegt Fuchs Petrolub in den Top 10 der internationalen
Schmierstoffhersteller, zu denen auch die großen Ölkonzerne gehören. Doch vor
der Wirtschaftkrise konnte auch Fuchs sich nicht verstecken: Das EBIT fiel 2008
um 12% auf 172 Mio. EUR. Und auch 2009 sah es nicht besser aus. Zwar schrumpfte
der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 15% auf 1,17 Mrd. EUR, jedoch legte das
EBIT um 4% auf 180 Mio. EUR zu. Doch dank einem umfassenden Sparpaket
erwirtschaftete das Unternehmen weiterhin Gewinne. So konnte das Unternehmen im
ersten Halbjahr 2010 ein deutliches Wachstum verzeichnen: Im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum stieg der Umsatz um 23% auf 700 Mio. EUR, das EBIT sogar um
85% auf 123 Mio. EUR.
Traumhaft für Anleger
Die Aktien schreiben auch an der Börse eine Erfolgsgeschichte: In den
vergangenen zehn Jahren stieg der Aktienkurs um knapp 800%. Seit dem Börsengang
zahlte der Schmierstoffhersteller zudem jedes Jahr eine Dividende. „Fuchs
Petrolub hat während der 25-jährigen Börsenpräsenz kein Jahr mit Verlust
abgeschlossen und jedes Jahr Dividenden ausgeschüttet“, erklärt der CEO. 2009
erhielten die Anleger 1,70 EUR pro Vorzugsaktie. Im laufenden Geschäftsjahr
soll die Dividende mindestens konstant bleiben.
Fazit
Fuchs Petrolub gilt als Prototyp eines erfolgreichen (börsennotierten)
Familienunternehmens und hat das Vertrauen seiner Anleger nie enttäuscht. Da
der Markt für Schmierstoffe traditionell ein schwieriges Umfeld ist, sind es
gerade die beiden Grundpfeiler – Unabhängigkeit und die Anfertigung von
Spezialölen –, die Fuchs Petrolub für die Zukunft wappnen. Konsequent wird die
Unternehmensstrategie verfolgt, so haben Konjunkturschwankungen kaum Einfluss
auf das Unternehmen. Fuchs Petrolub konnte in der Vergangenheit stets positiv
überraschen. Die Messlatte für die Zukunft liegt hoch.
Maximiliane Worch
Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe8-9/2010.
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