| Hidden Champions |
05.08.2010, 11:12 |
| Plansee Holding AG - Living metals
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Pulvermetallurgie lautet das Schlagwort der Plansee Holding AG mit Sitz in Reutte/Tirol. Das 1921 als Metallwerk Plansee GmbH gegründete Unternehmen hat sich als Experte für Hochleistungswerkstoffe aus Metall eine führende Stellung auf dem Weltmarkt erarbeitet.
Mit seinem Know-how bedient das österreichische Unternehmen
zahlreiche Absatzmärkte mit den Schwerpunkten Automotive und Maschinenbau. Da
aber verschleißarme, widerstandsfähige Oberflächen praktisch überall benötigt
werden, finden die Lösungen auch in Branchen wie Medizintechnik, Elektronik,
Halbleiter, Energietechnik oder Luft- und Raumfahrt zunehmend Verbreitung: eine
living-metals-Wachstumsgeschichte.
Klare Gliederung in vier Divisionen
Die Plansee Holding gliedert sich in die vier Unternehmen Plansee Hochleistungswerkstoffe, GTP Wolfram & Spezialpulver, Ceratizit Hartstoffe & Werkzeuge
(50%-Anteil) sowie PMG Sinterformteile.
Nachdem Plansee im Geschäftsjahr 2008/09 – Geschäftsjahresende ist
jeweils der letzte Tag im Februar – noch einen Rekordumsatz von 1,1 Mrd. EUR
verzeichnen konnte, sank der Umsatz der Plansee-Gruppe 09/10 um 22% auf 852
Mio. EUR. Durch die verminderte Bilanzsumme stieg die Eigenkapitalquote auf
47%. Die Plansee-Gruppe erzielte 80% ihrer Umsätze in Arbeitsgebieten, bei denen
sich das Unternehmen unter den Top 3 der Welt sieht. Auf die Krise reagierte
das in dritter Generation in Familienhand befindliche Unternehmen mit einem
Sparkurs und der Reduzierung der Mitarbeiterzahl um 350 auf 6.000.
„Alle Strukturmaßnahmen zielten darauf ab, durch kürzere Durchlaufzeiten und
eine raschere Markteinführung von Neuprodukten noch wettbewerbsfähiger zu
werden und Prozesse aus Kundensicht zu optimieren. Mit überwiegend sanften
Maßnahmen zur Personalanpassung wurde die Attraktivität als Arbeitgeber im
Krisenjahr erhalten“, betont das Unternehmen im Jahresbericht. Durch die hohen
Investitionen in den Vorjahren habe sich Plansee auf Investitionen beschränken
können, „die unverzichtbar waren oder zu sofortigen Umsätzen geführt haben. Auf
unverändertem Niveau blieben die Innovationsaufwendungen mit rund 27 Mio. EUR“.
Etwa 30% des Umsatzes wurden mit neuen Produkten generiert. Über die
Ertragssituation berichtet das Unternehmen traditionell nicht, Plansee ist aber
selbstbewusst genug zu behaupten, dass die Unternehmen der Gruppe dank
führender Technologie und bester Positionierung „ambitionierte Ertragsziele“
erreichen werde.
Internationalisierung startet vor 30
Jahren
Die Entwicklung des Unternehmens verlief lange unspektakulär, bis 1978 die
Internationalisierung vorangetrieben wurde. Als geschickter Schachzug und
Wachstumstreiber erwiesen sich zwei Joint Ventures: Die 1985 in die Tizit GmbH
ausgegliederten Hartmetall- und Werkzeugaktivitäten von Plansee gingen 2002 mit
der luxemburgischen Cerametal-Gruppe in ein gemeinsames Unternehmen – die
Ceratizit GmbH entstand. Drei Jahre später brachte Plansee die
Sinterstahl-Sparte in ein Joint Venture mit der Mitsubishi Materials Group ein,
die PMG entstand. Dieses Unternehmen erwarb Plansee 2009 vollständig. 2008
schließlich übernahm die Plansee-Gruppe von Osram den Geschäftsbereich Global
Tungsten & Powders (GTP).
Das in der 3. Generation geführte Privatunternehmen ist aktuell mit 35
Standorten in 16 Ländern vertreten. Als jüngster Standort wurde Wolfra Tech in
Mysore/Indien im Juli 2010 akquiriert. Das Unternehmen hat sich auf
Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Feindrähten, Flachprodukten und
Verdampferwendeln spezialisiert. Dr. Michael Schwarzkopf, Vorstandsvorsitzender
der Plansee-Gruppe: „Mit Wolfra-Tech verfügt Plansee Hochleistungswerkstoffe
nun über ihren ersten Produktionsstandort im strategisch wichtigen indischen
Markt.“
Metalllegierungen für höchste
Beanspruchungen
Was macht Plansee genau? Wenn man so will, legen die Österreicher den
Grundstein dafür, dass zum Beispiel Verbrennungsmotoren immer höhere Leistungen
erbringen können, weil die Grenzen z.B. für die thermische Belastbarkeit
hinausgeschoben werden. Hochleistungswerkstoffe von Plansee sorgen aufgrund
ihrer mechanischen, chemischen, physikalischen und tribologischen Eigenschaften
(Tribologie ist die Wissenschaft von Reibung, Verschleiß und Schmierung sowie
der Entwicklung von Technologien zur Optimierung von Reibungsvorgängen), dass
die Motoren immer weiter ausgereizt werden können, das Material also höhere
Drücke, mehr Reibung oder immense Temperaturen gewissermaßen überleben. So
ermöglichen Komponenten aus speziellen Wolfram-Legierungen den Einsatz von
Kurbelwangen- und Schwingungsdämpfergewichten in Pkw-, Rennsport-, Schiffs- und
Industriedieselmotoren.
Molybdän ist ein weiterer wichtiger Werkstoff für Plansee, da es wegen seiner
hohen Abrieb- und Verschleißfestigkeit zu einem unentbehrlichen Material der
Metallspritztechnik geworden ist. Auf Oberflächen mechanisch stark beanspruchter
Teile des Automobils wie Kolbenringen, Synchronringen oder Schaltgabeln werden
zur Erhöhung der Verschleißfestigkeit dünne Molybdänschichten thermisch
aufgespritzt. Ganz kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass Plansee überall
da Lösungen parat hat, wo metallische Werkstoffe, egal in welcher Branche,
höchsten Beanspruchungen ausgesetzt sind.
Eher verschwiegenes Familienunternehmen
Plansee ist einerseits zwar ein modernes Hightech-Unternehmen, in der
Kommunikation aber unzeitgemäß defensiv. Es werden keine Ertragszahlen
veröffentlicht, die Anfrage des GoingPublic Magazins blieb ebenso einfach wie
unprofessionell unbeantwortet, und auf Nachfrage gab es nur eine mäßig
freundliche Mitteilung am Telefon, dass man nicht zu antworten gedenke. Aus
Registereintragungen ist ersichtlich, dass die Plansee Holding AG zu 100% der
Schwarzkopf Privatstiftung e.V. gehört, auf der Website ist diese Information
nicht erhältlich.
Fazit
Plansee wäre von Marktstellung, Technologie und Wachstumsaussichten her ein
attraktiver Börsenkandidat. Das bisherige Wachstum ist ganz offenbar aus dem
Cashflow bestritten worden. Dass man es sich im Krisenjahr 2009 leisten konnte,
den Personalbestand trotz herben Umsatzeinbruchs nur marginal zu reduzieren,
zeigt, dass das Unternehmen solide finanziert ist.
Stefan Preuß
Kurzprofil Plansee Holding AG
Gründungsjahr: 1921
Branche: Pulvermetallurgie/Hochleistungswerkstoffe
Unternehmenssitz: Reutte/Österreich
Mitarbeiter 2009: 6.000
Konzernumsatz 2009/10 (28.02.): 852 Mio. EUR
Ursprünglich erschienen in der
GoingPublic Ausgabe 8-9/2010.
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