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Ein Erfahrungsbericht von RWE
Aktionäre können Unternehmen mit ihren Investitionen auf dem Weg zu mehr Klimafreundlichkeit unterstützen. Sind also Unternehmen mit großem Hebel auf die Dekarbonisierung ein beliebtes Ziel von nachhaltigkeitsorientierten Investoren?
Die Antwort lautet: jein!
Von Thomas Denny und Charlotte Mosel
Betrachten wir das Beispiel RWE. Die grüne Transformation steht im Zentrum des Geschäftsmodells unseres Unternehmens. RWE ist einer der größten Anbieter von erneuerbaren Energien. Im Zeitraum von 2024 bis 2030 werden wir 55 Mrd. EUR in Windkraft, Photovoltaik, Batteriespeicher und klimafreundliche Back-up-Kraftwerke investieren. Ebenfalls bis zum Ende der Dekade steigen wir komplett aus der Kohleverstromung aus. Damit trägt unser Unternehmen maßgeblich zu einem klimafreundlichen, zuverlässigen und effizienten Energiesystem bei – und dies im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens. Dennoch gibt es ESG-Fonds, für die ein Investment in RWE nicht infrage kommt. Woran liegt das?
Umgang mit Transformationsunternehmen: Jeder ESG-Fonds ist anders
Die im Mai für Europa vorgestellte ESMARichtlinie für Fondsnamen mit ESG-Bezug definiert Schwellenwerte und Mindestausschlüsse für kohlebezogene und andere Aktivitäten. Darüber hinaus orientieren sich viele institutionelle Anleger an ESGLabels oder definieren eigene (strengere) Kriterien für die von ihnen verwalteten Fonds. Diese umfassen neben der Emissionsintensität des Portfolios auch Kohleumsatzschwellen oder Grenzen für Kohleabbaumengen und Kohlekraftwerkskapazität. Einige Institutionen haben auf Basis dieser Kriterien Ausschlusslisten erstellt, die mitunter negative Signale in den Markt ausstrahlen. Davon ist auch RWE betroffen.
Gemeinsam ist all diesen Kriterien, dass sie sich auf den Status quo beziehen und damit nicht die Dynamik eines Transformationsunternehmens wie RWE erfassen. Aber sollten nicht gerade ESGFonds ihren Blick auf die strategische Ausrichtung einer Gesellschaft richten? Als Miteigentümer könnten sie Unternehmen auf ihrem Transformationskurs begleiten – und zugleich vom Kurssteigerungspotenzial der Aktie profitieren. So sind sie Treiber und Nutznießer von Nachhaltigkeit zugleich. „Transition Funds“ mit einer solchen Ausrichtung sind lediglich eine Unterkategorie von ESG-Fonds. Sie sind flexibler bei der Bewertung der Investierbarkeit eines Unternehmens. Von zentraler Bedeutung sind für sie die Nachhaltigkeitsziele des Managements und deren konsequente Umsetzung. Die unterschiedlichen Sichtweisen zeigen sich auch innerhalb der anspruchsvollsten Klasse von ESG-Fonds, den sogenannten Artikel-9-Fonds gemäß der EU Sustainable Finance Disclosure Regulation: Einige von ihnen halten RWE als größte Position, während andere RWE aus Nachhaltigkeitsgründen als nicht investierbar einstufen.
„Einige Institutionen
haben auf Basis
dieser Kriterien
Ausschlusslisten erstellt,
die mitunter negative
Signale in den Markt
ausstrahlen.“
IR-Arbeit kann die Investierbarkeit von Aktien für ESG-Fonds erhöhen
Ein Ziel unserer Investor-Relations-Arbeit ist es, die „Investierbarkeit“ der RWE-Aktie für ESG-Fonds zu erhöhen. Dazu stellen wir Informationen zu Themen wie Klimawandel, Biodiversität und Soziales zur Verfügung, z.B. im integrierten Finanzbericht und in themenbezogenen Präsentationen. Zur klassischen IR-Arbeit kommen bei der ESG-Kommunikation weitere Komponenten hinzu: Im Rahmen des Investor Targeting gehen wir gezielt auf ESG-Investoren zu, deren Anlagestrategie zu unserer Transformationsstory passt. RWEs Transformation stellen wir auch vor breitem Publikum in Webcasts oder Podiumsdiskussionen vor. Unsere Ansprechpartner sind in der Regel ESG-Analysten institutioneller Investoren und Vertreter von Initiativen wie Climate Action 100+ oder PRI.
Zuweilen bitten uns Portfoliomanager um Unterstützung für hausinterne Diskussionen über die Investierbarkeit unserer Aktie. Diese Gespräche sind meist konstruktiv – insbesondere dann, wenn es nicht um das Abhaken von Checklisten geht. Oft wird ein breites Themenspektrum abgefragt und wir erhalten wertvolles Feedback zu unserer Nachhaltigkeitsstrategie und -berichterstattung. Dieses Engagement wird honoriert: RWE hat den 2024 erstmalig vergebenen Deutschen Investor Relations Preis in der Kategorie „Beste ESG-Kommunikation eines Unternehmens“ auf der diesjährigen DIRK-Konferenz gewonnen.
„Einige Artikel-9-Fonds
halten RWE als größte
Position, während andere
RWE aus
Nachhaltigkeitsgründen
als nicht investierbar
einstufen.“
Fazit
Der Anteil von ESG-Investoren am Aktionariat von RWE liegt im Branchenmittelfeld. Er ist aufgrund von kohlebezogenen Ausschlusskriterien jedoch deutlich niedriger als bei anderen Erneuerbare-Energien-Unternehmen. Nachhaltigkeitsfonds, die sich von solchen Kriterien leiten lassen, mindern das Aktienkurspotenzial von Transformationsunternehmen – und
es stellt sich die Frage, ob sie damit im Sinne ihrer eigenen Sache handeln. Wir bei RWE haben uns das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein, und kommen auf diesem Weg schnell voran. Mancher Anleger hält dieses Tempo sogar für zu hoch, nicht zuletzt angesichts der Herausforderungen, vor die uns der rasante Ausbau der erneuerbaren Energien stellt. Umso wichtiger ist der Rückenwind, den uns eine breite Akzeptanz bei ESGFonds verleihen kann.
HINWEIS ZUR SERIE „DIRK CORNER“
Für den Inhalt der einzelnen Artikel sind die jeweils benannten Autoren verantwortlich.
Die Inhalte der Artikel spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung des DIRK – Deutscher Investor Relations Verband oder der Redaktion wider.