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Dieser Artikel ist Teil des neuen Going Public 1/2025, welches vor kurzem erschienen ist.

 

Die Berliner Effektengesellschaft AG (BEG) wurde 1986 von Mehrheitseigner Holger Timm als Berliner Freiverkehr GmbH als Börsenmaklergesellschaft gegründet. Heute fungiert die BEG, die seit Juni 1997 im Open Market (Basic Board in Frankfurt) notiert und aktuell einen Börsenwert von rund 865 Mio. EUR aufweist, als Holding. Wichtigstes Asset: Die Mehrheitsbeteiligung an der Tradegate AG, die ebenfalls von Holger Timm gesteuert wird. Von Ike Nünchert

Der BEG-Konzern erbringt Bank- und Finanzdienstleistungen. Schwerpunkte sind insbesondere die Vermittlung von Wertpapiergeschäften nebst Preisfeststellung im Freiverkehr und im Regulierten Markt, die Unterstützung bei der Eigenkapitalbeschaffung von Unternehmen sowie die Bereitstellung von Risikokapital. Die Gruppe ist vorwiegend in Berlin und Frankfurt am Main tätig.

Holger Timm

Holger Timm, dessen Berufstätigkeit 1986 als Börsenmakler an der Berliner Wertpapierbörse begann, ist Gründer und Mehrheitsgesellschafter der Berliner Effektengesellschaft. 57,8% hält er direkt, 30,9% über seine Beteiligungsgesellschaft H.T.B. Unternehmensbeteiligungen. Gleichzeitig ist er Vorstandsvorsitzender der Konzerngesellschaft Tradegate AG, die seit mehr als 20 Jahren als Market Specialist alle Aktien und ETFs an der nach eigenen Angaben größten europäischen Privatanlegerbörse – Tradegate Exchange – betreut. Die Tradegate AG, an der die BEG 57% der Aktien hält, ist selbst börsennotiert und bringt es aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 2,13 Mrd. EUR. Die zweite wesentliche Beteiligung der BEG ist die an der Quirin Privatbank (25,33%), ebenfalls börsennotiert (Marktkapitalisierung aktuell rund 150 Mio. EUR). Hier ist Holger Timm Aufsichtsratsvorsitzender. Sein Sohn Max scheint nach und nach in seine Fußstapfen zu treten und ist derzeit bereits zweiter Vorstand der Berliner Effektengesellschaft sowie im Aufsichtsrat von Tradegate.

Quelle: stock3.com

Tradegate AG

Die Tradegate AG ist Skontroführer an der Frankfurter Wertpapierbörse sowie an der Börse Berlin und hat weitere Börsenzulassungen in München, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg und Hannover. Sie versteht sich als Liquidity Provider und Market Maker, der fortlaufend in rund 6.000 Wertpapiergattungen, überwiegend in Aktien, An- und Verkaufspreise stellt. Darüber hinaus ist Tradegate als Market Specialist auf XETRA sowie an der Tradegate Exchange tätig.

Im Juni 2024 startete die Tradegate AG zudem mit tradegate.direct eine eigene Trading-App. Tradegate ist gemeinsam mit der Deutschen Börse zu je 43% an der Tradegate Exchange betreibt und daneben zu 100% Träger der Berliner Börse ist. Zudem ist die 1998 gegründete Berliner Effektenbank seit dem Erwerb 2015 Tochter der Tradegate AG und als Niederlassung für die gehobene Privatkundschaft tätig. Die Kunden in den Geschäftsfeldern Vermögensverwaltung, Vermögensberatung und Nachfolgeplanung sind Privatanleger und Unternehmen sowie StiftunDgen und Verbände.

Am 5. März 2025 meldete Tradegate gute, bereits testierte Jahreszahlen zum Geschäftsjahr 2024. So stieg das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit um 31% auf rund 50 Mio. EUR. Der Jahresüberschuss von 29 Mio. EUR kommt einem Zuwachs um 25% gegenüber dem Vorjahr gleich. Die Dividende soll von 90 Cent auf 1,20 EUR angehoben werden. Man hob hervor, dass die Zahl der Geschäftsabschlüsse der Gesellschaft als Market Specialist an der Tradegate Exchange um 35,8 % auf 49,25 Millionen Transaktionen und das damit verbundene Handelsvolumen um 37,3% auf 326,35 Mrd. EUR gestiegen ist. Auch der Start ins Geschäftsjahr 2025 sei gut ausgefallen. Sowohl die Anzahl der Transaktionen als auch das damit verbundene Handelsvolumen legten im Januar und März um sage und schreibe 35,5 % zu.

Quelle: Berliner Effektengesellschaft AG | Halbjahresbericht 2024

Quirin Privatbank-Beteiligung

Mit gut 25% ist die BEG auch an der Quirin Privatbank AG beteiligt. Die Bank operiert im Anlagegeschäft für Privatkunden auf Honorarbasis ohne eigenen Produktvertrieb sowie in der Beratung bei Finanzierungsmaßnahmen für mittelständische Unternehmen. Das Kapitalmarktgeschäft, in dem die Quirin Privatbank seither 250 Transaktionen mit einem Volumen von knapp 7 Mrd. EUR durchgeführt hat, untergliedert sich dabei in die Bereiche Corporate Finance, institutionelle Kundenbetreuung und institutionelles Research. Die Bank verfügt dazu über eine Mehrheitsbeteiligung (77%) am Online-Vermögensverwalter quirion. Die Geschäftszahlen 2024 waren bei Redaktionsschluss von GoingPublic 1/25 am 26.3.25 noch nicht veröffentlicht.

BEG-Zahlen 2024

Die letzten veröffentlichten Zahlen von Berliner Effekten stammen aus dem im August 2024 veröffentlichten Halbjahresbericht. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit war zum Halbjahr 2024 um 12,4% auf rund 23,3 Mio. EUR gestiegen, während der Jahresüberschuss um 10,2% auf rund 15,6 Mio. EUR zulegte. „Getragen ist das Konzernergebnis von der Konzerngesellschaft Tradegate AG, die ihre Handelsumsätze im ersten Halbjahr 2024 um 30,4% auf rund 160 Mrd. EUR erhöhen konnte“, so das Fazit der wie immer knapp gehaltenen BEG-Meldungen zu Finanzzahlen im vergangenen August. Da die Tradegate-Jahreszahlen bereits vorliegen, kann man für das Gesamtjahr von mindestens den doppelten Kennziffern wie zum Halbjahr ausgehen, auch wenn für tradegate.direct noch mit Verlusten zu rechnen ist. Von der Quirinbank und ihrem Ableger quirion werden derzeit keine nennenswerten Ergebnisbeiträge erwartet. Testierte Jahreszahlen der BEG sind für April angekündigt

BEG-Aktie

Der „Investor-Relations-Bereich“ auf der BEG-Website wartet täglich mit einer interessanten Berechnung auf: Hier wird eine Net-Asset-Value-Bewertung angestellt. Es werden die Werte der Beteiligungen an Tradegate sowie Quirin anhand von deren Kursen börsentäglich ermittelt und dem Kurs der BEG-Aktie gegenüber gestellt. Am 21. März ergab sich hier ein Wert je BEG-Aktie gemäß Börsenbewertung der Beteiligungen in Höhe von 95,38 EUR bei einem Aktienkurs von 65 EUR.

Nimmt man die Net-Asset-Value-Berechnung der börsennotierten Beteiligungen, tut sich eine Kurschance von fast 50% auf.

Fazit

Wir haben uns im vorliegenden Artikel nicht explizit mit der Bewertung von Tradegate auseinander gesetzt, von der letztendlich ja abhängt, ob die Aktie der Berliner Effektengesellschaft als attraktiv oder weniger attraktiv gesehen werden kann. Vieles spricht jedoch bei der innovativen Tradegate, die weiter stark wächst, für das positive Szenario. Nimmt man die Net-Asset-Value-Berechnung vom vorhergehenden Absatz, tut sich eine Kurschance von fast 50% auf und die BEG-Aktie, mit dem man auch auf die Zukunft der Aktie und des Aktienhandels setzt, erscheint auf dem aktuellen Niveau interessant. Die massiven Aktienrückkäufe zeigen, dass der Großaktionär das genauso sieht. Im Jahr 2021 war man bereits einmal an der 100-EUR-Marke. Eine Rückkehr in die Region erscheint nicht ausgeschlossen. Insgesamt hätte man mit Aktien von Berliner Effekten von der Erstnotiz bis heute bereits viel Freude gehabt und den Wert um das 18-fache steigern können. Holger Timm, der wenig in der Öffentlichkeit auftritt, gehört zu den
wenigen „Serial Entrepreneuren“ an deutschen Börsen und ist seit 40 Jahren einer
der bedeutendsten Wegbegleiter des hiesi- gen Kapitalmarkts.

Wir freuen uns, Berliner Effekten Teil 91 der GoingPublic Serie „Familienunternehmen an der Börse“ zu widmen und denken, dass „Börse pur in einer Aktie“ eine passende Überschrift darstellt.

Autor/Autorin

Herr Ike Nünchert

Ike Nünchert ist Mitglied des Autoren-Teams und schreibt für GoingPublic On- & Offline-News rund ums Börsengeschehen schwerpunktmäßig in Europa und den USA. Ein weiterer Berichtsfokus liegt beim Segment gründergeführter börsennotierter Unternehmen.