Mit der Übernahme von Kingfluencers, der größten Influencer-Agentur der Schweiz, macht naoo ernst: Der Börsenneuling will nicht weniger als die Zukunft des digitalen Marketings mitgestalten. Nutzerzahlen, Umsatz und strategische Reichweite steigen – und das dürfte erst der Anfang sein.

Turbulent verliefen die ersten Monate des Börsenlebens der naoo AG (ISIN: CH1323306329). Ziemlich erratisch schwankte der Aktienkurs des Schweizer Social-Media-Unternehmens nach dem Going Public im Dezember 2024 zwischen knapp 30 und 10 EUR. Das mag ein Zurechtrütteln der Aktionärsstruktur gewesen sein, denn wirklich substanzielle Nachrichten, welche die Achterbahnfahrt erklärt hätten, gab es nicht. Jetzt aber kommt Bewegung in die Story. naoo lässt durch eine bedeutsame Akquisition aufhorchen: 87% der Anteile der Kingfluencers AG wurden übernommen – und das ist immerhin die größte Schweizer Influencer-Agentur und ein beachtenswerter Player im deutschsprachigen Raum insgesamt. Nach der Übernahme wird naoo/ Kingfluencers rund 40 Mitarbeiter haben.

Übernahme markiert Meilenstein in der Unternehmensgeschichte von naoo

Die Übernahme katapultiert naoo beim Umsatz in eine neue Größenordnung. Im laufenden Jahr wollen die Schweizer jetzt rund 10 Mio. CHF erlösen, dazu dürfte Kingfluencers wahrscheinlich rund 80% beitragen. Das Betriebsergebnis des Zukaufs soll, klammert man Integrationsaufwendungen aus, positiv sein. Für das kommende Jahr peilt naoo auch im Konzern schwarze Zahlen an.

Mit dem Zukauf dürfte naoo seinen Umsatz im laufenden Jahr mutmaßlich gegenüber der ursprünglichen Planung etwa verfünffachen. Denn wie für junge Technologie- und Social Media-Unternehmen typisch, liegt der Fokus der Geschäftsentwicklung im aktuellen, noch frühen Unternehmensstadium vor allem auf Gewinnung von Marktanteilen, Userwachstum und Ausbau der Plattform. Vor diesem Hintergrund dürfte die strategische Bedeutung der Kingfluencers-Übernahme noch stärker wiegen als der bereits drastische Effekt auf die Zahlen vermuten lässt.

naoo und Kingfluencers wachsen damit in eine neue Dimension als Partner für Unternehmenskunden. Und von denen bringt Kingfluencers zahlreiche sehr namhafte mit, angefangen von L’Oréal, Nestlé, Migros bis hin zu Samsung und UBS. naoo selbst hat bereits erfolgreiche Kampagnen für renommierte Kunden wie Europapark, El Tony Mate, Swype, Shoppi Tivoli und andere umgesetzt.

Motivation durch Gamification

Mit der Übernahme von Kingfluencers, will Naoo nicht weniger als die Zukunft des digitalen Marketings mitgestalten.
Thomas Wolfensberger; Foto: © naoo

Um zu verstehen, warum die Kingfluencers-Übernahme durch naoo als Meilenstein in der Unternehmensgeschichte gefeiert wird, bedarf es eines Blickes auf das Geschäftsmodell von naoo. Ausgestattet mit den gängigen Features zum Posten von Bildern und Inhalten, zum Kommentieren und Liken, so wie auf anderen Plattformen à la Facebook & Co. zeichnet sich die naoo-Plattform durch ein hohes Maß an Gamification aus. Durch spielerische Aufbereitung werden Nutzer dazu motiviert, sich mit Inhalten und Angeboten auseinanderzusetzen.

Punktesystem belohnt Content der Nutzer

Vor allem aber verfügt naoo über ein besonderes Punktesystem, mit dem Content der Nutzer belohnt wird. Diese Punkte lassen sich gegen Waren- und Dienstleistungsgutscheine oder auch Bargeld eintauschen. Auch durch Aktivitäten können Punkte verdient werden. Damit ist naoo in der Lage, die virtuelle Welt und den lokalen Handel zu verknüpfen. Wenn eine große Parfümeriekette beispielsweise einen neuen Duft vermarkten möchte, kann sie dazu eine Kampagne auf der naoo-Plattform starten und zusätzlich Punkte dafür vergeben, dass Kundinnen und Kunden das Parfüm im Laden testen.

Durch die Übernahme von Kingfluencers kann Business-Kunden nun ein noch umfassenderes Angebot gemacht werden: Virtuelle Werbekampagnen plus naoo-Punkte im stationären Handel plus Einbindung reichweitenstarker Influencer – alles aus einer Hand. Von dieser Formel verspricht sich naoo beschleunigtes Wachstum und schielt dabei nicht nur auf die ganz großen Ketten, sondern auch auf kleinere, lokal starke Filialisten.

Userzahlen innerhalb eines Jahres um 70% gewachsen

Bei den Usern kommt der naoo-Ansatz mit hochwertigen Inhalten, spielerischen Elementen und Belohnungspunkten jedenfalls schon bisher gut an. Innerhalb eines Jahres wuchs die Userzahl um rund 70% auf 85.000. Dabei ist zu beachten, dass naoo bislang nur in der Schweiz aktiv ist. Dort ist das Unternehmen Ende 2024 schon auf den dritten Platz im Schweizer App Store gesprungen. Die Downloads lagen im Jahresendquartal rund 65 Prozent höher als im Vorquartal und die Vernetzung der User steigt immer weiter. Durch zusätzliche prominente Influencer bei naoo – dank Kingfluencers – soll das Wachstumstempo nochmals forciert werden.

Neuer Stern im Social-Media-Universum?

Zum Börsengang basierte die Bewertung von naoo vorrangig auf dem neuartigen Ansatz, Social Media mit Loyalty-Elementen zu verknüpfen. Die jüngsten Erfolgsmeldungen zum Ausbau der Plattform und vor allem die Übernahme von Kingfluencers untermauern jetzt den Anspruch des Unternehmens, zu einer festen Größe im Social-Media-Universum aufzusteigen und vor allem Unternehmenskunden wirkungsvoll zu adressieren. Die Expansion nach Deutschland noch im laufenden Jahr soll den nächsten Wachstumsschritt darstellen und weitere Zukäufe im Social- Media-Umfeld sind ebenfalls Teil der Wachstumsstrategie.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 70 Mio. EUR wird naoo aktuell etwa mit dem Siebenfachen des erwarteten Umsatzes im laufenden Jahr bepreist. Eine stattliche Bewertung. Wer sich als Anleger mit Social-Media-Unternehmen beschäftigt, sollte sich hier noch einmal eine eigene Meinung machen. Als Facebook 2012 an die New Yorker Börse ging, wurde das Unternehmen mit dem mehr als zwanzigfachen Umsatz in jenem Jahr bewertet. Aber natürlich wird es nicht mehr so einfach Erfolgsgeschichten à la Facebook geben.

FAZIT

Mit der Übernahme von Kingfluencers macht naoo einen großen strategischen Schritt – hin zu mehr Reichweite, stärkeren Kundenbeziehungen und einer klaren Positionierung im digitalen Marketing. Der Mix aus Social Media, Gamification und Influencer-Kompetenz hat Potenzial.

Autor/Autorin

Eva Rathgeber
Redakteurin Unternehmeredition at 

Als Chefredakteurin der Unternehmeredition bei der GoingPublic Media AG berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Wirtschaftsjournalismus und PR.