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Die Medios AG (Xetra, WKN: A1MMCC ISIN: DE000A1MMCC8) ist zum deutschlandweit führenden Hersteller von Spezialpharmazeutika aufgestiegen. Um sich stärker als Nischenchampion in margenstarken Wachstumsmärkten zu etablieren, spezialisiert sich das Unternehmen auf die Herstellung von zugelassenen Arzneimitteln für spezifische Patientengruppen, beispielsweise in der Krebsmedizin. Nach den 2024 angefallenen Investitionskosten will Medios jetzt auf der Gewinnseite durchstarten. Der im SDAX gelistete Nebenwert kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 320 Mio. EUR. Von Stefan Riedel
Die Berliner Medios AG hat im Geschäftsjahr 2024 kräftig in ihr zweites Geschäftsfeld patientenindividuelle Therapien investiert. Mit 213,6 Mio EUR trug die Sparte im Geschäftsjahr zu 11,3% des Gesamtumsatzes bei. Die 259 Mio. EUR schwere Akquisition der niederländischen Ceban Pharmaceuticals B.V. sieht Medios als Fundament für die internationale Expansion und dazu als wichtigen Impulsgeber für höhere Margen. Mehr als 18% operative Marge erzielte Ceban 2024 in den sieben Monaten, in denen die Firma 2024 in der Medios-Bilanz konsolidiert wurde. Die gesamte Sparte patientenindividuelle Therapien kam auf 10,9%. Demgegenüber schaffte das Kerngeschäft Arzneimittelversorgung, das für 84% des Konzernumsatzes seht, gerade einmal 2,7% EBITDA-Marge.
Erwarteter Profitabilitätssprung durch Wegfall der Integrationskosten
Vor allem die Integrationskosten für Ceban haben im Geschäftsjahr 2024 auf das Konzernergebnis gedrückt. Unterm Strich sackte der Konzerngewinn um ein Drittel auf fast 12,6 Mio. EUR ab. Der Gesamtumsatz verbesserte sich dagegen um 5,5% auf 1,9 Mrd. EUR, während das um Sondereffekte bereinigte EBITDA um 30,5% auf 79 Mio. EUR kletterte. Der Free Cashflow stieg von 15,1 auf 67,4 Mio. EUR. Den auf 106 Mio. EUR deutlich gestiegenen Cashreserven steht eine Nettoverschuldung von 130 Mio. EUR gegenüber.
Im Interview mit Going Public ist Vorstandschef Matthias Gärtner zuversichtlich, dass sich in diesem Jahr mit dem fast vollständigen Wegfall der Integrationskosten für Ceban das Steigerungspotenzial bei der Profitabilität voll entfalten wird. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Medios-Management einen Umsatzanstieg um 6% auf rund zwei Mrd. EUR. Das bereinigte EBITDA soll von 79 auf 96 Mio. EUR steigen.
Analysten sehen deutliches Kurspotenzial
Schafft Medios in diesem Jahre das anvisierte Wachstumsziel, sollte das auch den Aktienkurs beflügeln. Günstig bewertet ist die Aktie mit einem 2026er-KGV von 8 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,15 angesichts des erwarteten Gewinnsprungs allemal. Die Konsensschätzungen der Analysten erwarten, dass der Konzerngewinn in diesem Jahr um rund 170% nach oben schnellt und dann 2026 weiter im unteren zweistelligen Bereich wächst. Fünf Branchenexperten covern die Aktie. Die Kursziele liegen zwischen 18,00 und 32,00 EUR – und damit auch im konservativsten Szenario um rund 50% über dem aktuellen Kursniveau.
„Schlüsseletappe für internationale Expansion“
Vorstandschef Matthias Gärtner erläutert, wie die 2024 übernommene Firma Ceban Pharmaceuticals die Profitabilität des SDAX-Unternehmens kräftig nach oben schieben soll.
Plattform Life Sciences: Medios hat wegen hoher Finanzierungskosten 2024 rund ein Drittel weniger Gewinn gemacht. Werden sich diese Effekte 2025 deutlich verringern?
Matthias Gärtner: Wir hatten letztes Jahr rund 6 Mio. EUR an Belastungen aus der Ceban-Akquisition. Weitere 6 Mio. EUR kamen aus dem Erwerb des Blisterzentrums Baden-Württemberg von 2023, das wir in als Kosten in der Gewinn- und Verlustrechnung nach IFRS bilanzieren mussten. Diese Faktoren fallen 2025 weitgehend weg. Im Gegenzug wird sich dieses Jahr erstmals die Kraft dieser zwei Zukäufe auf der Ertragsseite entfalten.
Was bedeutet das in Zahlen ausgedrückt?
Wir hatten Ceban letztes Jahr über sieben Monate bei Umsatz und EBITDA konsolidiert. Überträgt man die Ergebniszahlen von 2024 auf das Gesamtjahr 2025, sprechen wir von 27 bis 28 Mio. EUR EBITDA und rund 150 Mio. EUR Umsatz durch den Ceban-Effekt. In Verbindung mit unserem prognostiziertes Konzern-EBITDA von 96 Mio. EUR kommen wir dann auf 21,5% Wachstum – bei einem zugrunde gelegten organischen Wachstum im mittleren einstelligen Bereich.
Die Herstellung von individualisierten Arzneien ist das stabile, aber margenschwache Kerngeschäft von Medios. Wie soll das zweite Geschäftsfeld Patientenindividualisierte Medizin mehr Wachstumsphantasie entfalten?
In Deutschland sind wir größter Hersteller von individualisierter Medizin. Dort haben wir ein landesweites Netz von Reinraumlaboren aufgebaut mit höchsten regulatorischen GMP-Qualitätsstandards in der Produktion. Die Übernahme von Ceban ist für uns die erste Schlüsseletappe der gerade gestarteten Expansion unseres Geschäfts in andere europäische Staaten. Diesem Schritt lag die Überlegung zugrunde, Medios internationaler und damit auch unabhängiger von der deutschen Regulierung auszurichten. Mit Ceban haben wir uns Zugang zu den Märkten in den Niederlanden, Belgien und Spanien verschafft und die operative Marge 2024 auf Konzernebene von 3,4% im Vorjahr auf 4,2 % gesteigert.
Wie will sich Medios vom Wettbewerb absetzen?
Wir verfügen über ein europäisches Compounding-Netzwerk von aktuell zehn Laboren. Dort produzieren wir abhängig von den länderspezifischen Regularien sterile Produkte wie Spritzen und Infusionen oder nicht-sterile Produkte wie Cremes oder beide Produktgruppen. Die Zukunft ist die personalisierte Medizin. Hier geht es darum, von den Patienten Zellmaterial für Gentherapien, Zelltherapien und mRNA-Therapien zu modifizieren und dann wieder zu verabreichen. Wir sprechen hier über Charge-1-Geschäfte. Das heißt, je Patient wird individuell eine Infusion oder eine Spritze hergestellt. Große Hersteller von Medikamenten machen das nicht und genau deshalb sind wir Partner der Wahl für die Biotech-Industrie. Erste Verträge mit Unternehmen, deren Namen wir aus rechtlichen Gründen nicht nennen dürfen, haben wir hier bereits abgeschlossen.
Der Aktienkurs ist als Reaktion auf diese Entwicklungen noch nicht angesprungen.
Ein allgemeiner Grund ist sicherlich, dass europäische Nebenwerte in den letzten Jahren unter dem Radar der meisten institutionellen Anleger blieben. Dazu kommt unser komplexes und deshalb erklärungsintensives Geschäftsmodell. Wir arbeiten deshalb in unserer IR-Arbeit daran, die Equity Story noch besser zu kommunizieren, um dann umso mehr von einem positiven Stimmungswandel zu profitieren, der die Mid und Small Caps erfassen wird.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Stefan Riedel.
Autor/Autorin
Stefan Riedel
Stefan Riedel ist freier Autor bei GoingPublic Media und selbständiger Redakteur mit Schwerpunkt Finanzen und Wirtschaft.