Bildnachweis: FCF Fox Corporate Finance GmbH.

Mathias Klozenbücher, Managing Director der FCF Fox Corporate Finance GmbH, analysiert die Finanzierungstrends im Healthcare- und Life-Sciences-Bereich. Im Gespräch erläutert er, warum die USA Gründern einen Vorsprung verschaffen, welche Chancen Europa dennoch hat, und welche globalen Trends die Branche prägen. Ein Einblick in Innovationen, Kapitalströme und Strategien für erfolgreiche Investments.

 

Plattform Life Sciences: Herr Klozenbücher, wie hat sich der Markt für Life Sciences Venture Capital in den letzten Monaten entwickelt?

Matthias Klozenbücher: Der Healthcare & Life Sciences-Sektor entwickelt sich trotz der gesamtwirtschaftlichen Unsicherheiten gut. In Europa sehen wir einen Anstieg des Investmentvolumens um 37% gegenüber dem Vorjahr, getrieben vor allem durch den starken Zuwachs in HealthTech. In den USA sehen wir sogar einen Anstieg um knapp 60% gegenüber dem Vorjahr – hauptsächlich durch Wachstum in Biotech. Insgesamt haben wir in beiden Regionen auch einen konstanten Anstieg im TechBio-Segment über die letzten 12 Monate gesehen. Man kann also daraus schließen, dass es dieses Jahr aufwärts gehen wird. Positiv auffällig ist außerdem, dass sich in den letzten 12 Monaten die Rundengrößen deutlich erhöht haben, was auf eine anhaltend hohe Investitionsbereitschaft hinweist. Tatsächlich kann die Entwicklung der geopolitischen Lage in den nächsten sechs bis 12 Monate eine große Rolle spielen, denn US-Investoren spielen auch bei Europas Healthcare & Lifes Sciences Startups eine wichtige Rolle.

Mathias Klozenbücher. Copyright Bild: FCF Fox Corporate Finance GmbH
Mathias Klozenbücher, Managing Director der FCF Fox Corporate Finance GmbH, analysiert die Finanzierungstrends im Healthcare- und Life-Sciences-Bereich. Im Gespräch erläutert er, warum die USA Gründern einen Vorsprung verschaffen, welche Chancen Europa dennoch hat, und welche globalen Trends die Branche prägen. Ein Einblick in Innovationen, Kapitalströme und Strategien für erfolgreiche Investments. Mathias Klozenbücher. Copyright Bild: FCF Fox Corporate Finance GmbH

Und europäische Investoren?

Sie zeigen ein wachsendes Interesse an spezialisierten Biotech- und MedTech-Unternehmen. Während in den USA große Investoren wie Orbimed, RA Capital oder ARCH und einige corporate VCs dominieren, sind in Europa Fonds wie Forbion, the European Investment Council oder Novo Holdings besonders aktiv. Die USA bleiben dennoch das Epizentrum für großvolumige Finanzierungen.

Welche therapeutischen Bereiche stehen derzeit besonders im Fokus?

In Europa liegt der Fokus klar auf Onkologie mit 46% des gesamten Investment Volumens in 2024, gefolgt von ZNS (10%) Immunologie (9%) und Infektionskrankheiten (8%). In den USA ist die Verteilung etwas gleichmäßiger für 2024, folgt aber demselben Muster. Außer Biotech sind sowohl HealthTech als auch MedTech Wachstumstreiber in beiden Regionen. KI-gestützte Medikamentenentwicklung (TechBio), Immuntherapien und Theranostics sind spezifische Themen, die in letzter Zeit mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Wir erwarten, dass die Finanzierungsvolumina weiter nach oben gehen.

Was sind die größten Herausforderungen für europäische Start-ups im Vergleich zu ihren US-Konkurrenten?

Europäische Start-ups haben oft einen schwierigeren Zugang zu großvolumigen Finanzierungsrunden. Während in den USA Finanzierungsrunden über 200 Millionen Euro keine Seltenheit sind, bleiben in Europa die durchschnittlichen Deal-Volumina niedriger. Zudem sind regulatorische Hürden in Europa höher, was die Markteinführung neuer Produkte verzögern kann. Ein großes Problem in Europa ist das sogenannte ‚Valley of Death‘. Also die Periode bei einem Startup nach dem initialen Funding (Seed Runde) bis zur Realisierung erster Einnahmen – oder im Biotech Bereich meistens bis zu den ersten klinischen Studien. Getrieben wird dieses Problem meiner Meinung nach durch das wie oben beschriebene Fehlen von Risikoinvestoren mit tiefen Taschen und einem Fokus auf HealthCare und Life Sciences in Europa. Natürlich gibt es auch kulturelle Unterschiede. Nach 15 Jahren in den USA kann ich sagen, dass sich Europäische Startup Gründer einiges bei Ihren amerikanischen Kollegen abschauen können in Bezug auf Pitchen, Netzwerken und positiver Herangehensweise.

FCF Fox Corporate Finance GmbH, unter der Leitung von Mathias Klozenbücher, Managing Director im Bereich Healthcare & Life Sciences, veröffentlicht monatlich den Healthcare & Life Sciences Venture Capital Monitor EU sowie den Healthcare & Life Sciences Venture Capital Monitor USA. Diese beiden Monitore bieten eine detaillierte, monatliche Analyse der Risikokapitalfinanzierungstrends in den Bereichen Biotechnologie, Pharma, Medizintechnik und Gesundheitstechnologie. Sie beleuchten die Entwicklungen sowohl in der europäischen als auch in der amerikanischen Gesundheits- und Life Sciences-Branche. Ergänzend dazu wird Mathias Klozenbücher künftig quartalsweise Interviews auf www.plattform-lifesciences.de veröffentlichen, in denen die wichtigsten Erkenntnisse und Trends aus den beiden Reports zusammengefasst und eingeordnet werden.


Welche Trends zeichnen sich für das kommende Quartal ab?

Wir erwarten, dass die Finanzierungsvolumina weiter nach oben gehen. Themen wie Theranostik und Immuntherapie werden weiter wachsen. Wir hoffen auch auf einen Anstieg von Exits in unserem Bereich später im Jahr. Falls sich die geopolitische Lage weiter anspannt, können auch alternative Finanzierungsmodelle, wie Venture Debt, eine größere Rolle spielen. Insbesondere für Unternehmen, die den nächsten Wachstumsschritt finanzieren müssen.

Welche Bedeutung hat der FCF Life Sciences Monitor für Investoren und Unternehmen?

Unser Monitor bietet eine detaillierte Analyse der aktuellen Markttrends und dient als wertvolle Entscheidungsgrundlage für Investoren und Unternehmen. Er zeigt nicht nur die größten Deals auf, sondern auch, welche Sektoren besonders gefragt sind. Damit unterstützen wir Investoren bei der Identifikation vielversprechender Unternehmen und helfen Start-ups, ihre Finanzierungsstrategie optimal zu gestalten.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Urs Moesenfechtel.

 

Wichtigste Erkenntnisse im Life Sciences Venture Capital Markt – Europa und USA (Stand: Januar 2025) auf einen Blick:

Europa:

  • Insgesamt wurden im Januar 2025 Venture Capital Finanzierungen im Wert von 1,718 Milliarden Euro getätigt, ein 37% Anstieg gegenüber dem Vorjahr (1,256 Milliarden Euro)
  • Die meisten Investitionen flossen in HealthTech (542 Mio. Euro) und Biotech/Pharma (535 Mio. Euro)
  • Die größten Deals:
    • Neko Health (251 Mio. Euro, Serie B) – Entwicklung einer medizinischen Scanning-Technologie zur Prävention und Früherkennung
    • Windward Bio (192 Mio. Euro, Serie A) – Fokus auf Immunologie und Entwicklung neuer Wirkstoffe
    • Numab (187 Mio. Euro, Serie C) – Biopharma-Unternehmen mit Schwerpunkt auf multispezifischen Antikörpern
  • Die aktivsten Investoren waren Novo Holdings (5 Deals) und Lakestar (2 Deals)

USA:

  • Der US-Markt verzeichnete ein Finanzierungsvolumen von 4,388 Milliarden Euro, ein deutlicher 59% Anstieg gegenüber dem Vorjahr (2,757 Milliarden Euro)
  • Die meisten Investitionen gingen in Biotech/Pharma (2,321 Mio. Euro) und HealthTech (1,193 Mio. Euro)
  • Die größten Deals:
    • Truveta (307 Mio. Euro, Serie C) – Entwicklung einer Gesundheitsdatenplattform zur Analyse von Patientendaten
    • Kardigan (288 Mio. Euro, Serie A) – Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    • Innovaccer (264 Mio. Euro, Serie F) – Datenplattform für das Gesundheitswesen zur Verbesserung von Behandlungsergebnissen
  • Y Combinator war mit 8 Deals der aktivste Investor

 

Hier gelangen Sie zum GoingPublic-Dealmonitor.
Hier gelangen Sie zum ersten Teil der Interviewserie.

 

 

 

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist seit 2021 Redaktionsleiter der GoingPublic Media AG - Plattform Life Sciences und für die Themenfelder Biotechnologie und Bioökonomie zuständig. Zuvor war er u.a. als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.