Bildnachweis: Marinomed AG, stock3.com.
Das österreichische Biotechnologie-Unternehmen Marinomed Biotech AG (VSE:MARI, WKN: A2N9MM ISIN: ATMARINOMED6, MarketCap: 24,10 Mio. EUR) hat nach eigenen Angaben seine finanzielle Sanierung erfolgreich abgeschlossen und richtet den Fokus nun auf Wachstum. Die Firma plant, im Jahr 2025 erstmals wieder einen operativen Gewinn zu erwirtschaften. Grundlage dafür sei die Konzentration auf die firmeneigene Marinosolv-Technologie, mit der schwer wasserlösliche Wirkstoffe besser verfügbar gemacht werden sollen.
Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist laut Unternehmen das Produkt Budesolv, ein nasales Kortikosteroid zur Behandlung schwerer allergischer Rhinitis. Marinomed zufolge ermöglicht die zugrunde liegende Technologie eine deutlich reduzierte Wirkstoffmenge bei schnellerem Wirkungseintritt im Vergleich zu herkömmlichen Präparaten. Das Unternehmen verweist auf einen globalen Markt für allergische Rhinitis mit einem Volumen von rund 13 Milliarden US-Dollar.
Zur Markteinführung von Budesolv plant Marinomed, zunächst in der Schweiz eine Zulassung zu beantragen. Laut Unternehmensangaben sind dort die Gespräche mit potenziellen Partnern und der Zulassungsbehörde Swissmedic bereits fortgeschritten. Gleichzeitig werde an der notwendigen Fertigungskapazität gearbeitet, um eine schnelle Markteinführung zu ermöglichen. Parallel dazu laufen laut Marinomed Verhandlungen für eine Expansion in größere Märkte.
Finanziell sieht sich das Unternehmen auf einem stabilen Kurs. Nach dem Sanierungsverfahren und dem Verkauf des Carragelose-Geschäfts an Unither Pharmaceuticals geht Marinomed von einem einmaligen Gewinn von rund 18,9 Millionen Euro im ersten Quartal 2025 aus. Für das Jahr 2024 wird aufgrund der Insolvenz jedoch noch ein Verlust von etwa 15 Millionen Euro erwartet. Die bereits erfolgte erste Zahlung von fünf Millionen Euro aus dem Carragelose-Verkauf soll zur weiteren Stabilisierung beitragen.
„Mit der erfolgreichen Sanierung und der geschäftlichen Neuausrichtung planen wir ab diesem Jahr positive operative Ergebnisse“, erklärte Marinomed-CEO Andreas Grassauer. Ziel sei es, durch operative Erfolge das Vertrauen der Aktionäre zurückzugewinnen.
Marinomed befindet sich in einem Transformationsprozess, der sowohl finanzielle als auch strategische Anpassungen umfasst. Ob dieser erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. So ist die Budesolv-Einführung in der Schweiz zwar ein wichtiger erster Schritt, doch die Expansion in größere Märkte ist mit höheren Anlaufkosten für Produktion und Marketing verbunden. Der Wettbewerb im Bereich der Behandlung allergischer Rhinitis ist intensiv – es muss sich noch zeigen, ob sich Budesolv gegenüber etablierten Alternativen durchsetzen kann.
Wie Marinomed diesen zukünftigen Herauforderungen begegnen will, muss das Management noch klar kommunizieren. Daher bleibt die Aktie mit einem hohen Risiko behaftet. Schafft es Marinomed aber in den nächsten Quartalen mit Budesolv stabil steigende Umsätze zu generieren, wird die Aktie als spekulatives Investment wieder kaufenswert.
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Autor/Autorin
Urs Moesenfechtel, M.A., ist seit 2021 Redaktionsleiter der GoingPublic Media AG - Plattform Life Sciences und für die Themenfelder Biotechnologie und Bioökonomie zuständig. Zuvor war er u.a. als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.